
Am 28. Januar 2026 befinden sich Tarifbeschäftigte dieser Schule im Warnstreik.
23. Januar 2026Für Johannes Herwig kam die Nachricht, dass ausgerechnet sein Erstlingswerk ab dem Schuljahr 2025/2026 zur Pflichtlektüre in Sachsen auserkoren wird, ziemlich überraschend. So zumindest berichtet es der Erfolgsautor dem interessierten Schülerpublikum der Klassen 10a, b und c an diesem Donnerstag im eigens umgestalteten Kunstraum der Oberschule Rauschwalde.
Die Zehntklässler, welche sich traditionell am Ende des ersten Halbjahres durch die Probeprüfungen in Deutsch, Mathe, Englisch und einer selbst gewählten Naturwissenschaft kämpfen müssen, waren sichtbar dankbar über den recht entspannten Schultag. Und so lauschten sie bedächtig den Worten Herwigs, der zu Beginn der Lesung – nach kurzer Vorstellung – einige zentrale Textpassagen aus seinem Roman „Bis die Sterne zittern“ vortrug und einordnete.
In dem Jugendbuch geht es um den 16-jährigen Harro Jäger, welcher sich zu Beginn der Handlung einer Clique anschließt, die Teil der sogenannten „Leipziger Meuten“ ist. Diese oppositionelle Subkultur widersetzte sich dem einheitlichen Kleidungszwang sowie militärischen Drill, welcher sowohl die Hitlerjugend (HJ) als auch den Bund Deutscher Mädel (BDM) prägte. Die Meuten waren, wie Herwig erklärt, „keine Widerständler mit klaren Plänen und Zielen, aber in dem, was sie taten, Oppositionelle“. Vor allem waren sie nicht angepasst – ein Umstand, der ab 1938 zu massiver staatlicher Verfolgung führte.
Im Anschluss an den Lesepart bot Herwig den Rauschwalder Schülern die Gelegenheit zur Diskussion. Die zahlreichen und differenzierten Fragen zu einzelnen Charakteren, Handlungssträngen, zeitgeschichtlichen Einordnungen sowie biographischen Verknüpfungspunkten verdeutlichten eindrucksvoll, wie intensiv sich viele der Anwesenden mit der Lektüre auseinandergesetzt hatten. Entsprechend groß war am Ende der Lesung auch der Andrang bei Autogrammen, persönlichen Widmungen und gemeinsamen Fotos mit dem Autor.
Für uns als Lehrer der Oberschule Rauschwalde war die Veranstaltung wieder einmal ein gelungenes Beispiel dafür, dass Schule kein hermetisch abgeriegelter Ort sein darf. Vielmehr gilt es, jede Gelegenheit zu nutzen, Anknüpfungspunkte zur Lebenswelt der Schüler herzustellen, das Leben „da draußen“ in die Schule zu holen und außerschulische Lernorte in den Unterrichtsalltag einzubinden.
In diesem Sinne freuen wir uns, Johannes Herwig hoffentlich bald wieder an unserer Schule begrüßen zu dürfen!



